Städte bieten ihren Bewohner*innen ein breites kulturelles Angebot und eine leistungsfähige soziale Infrastruktur. Gleichzeitig treten die negativen Folgen der hohen baulichen Dichte zunehmend zutage: Der Klimawandel sowie der Mangel an Grün- und Naturräumen werden immer spürbarer. Extremereignisse wie Hitze, Trockenperioden und Starkregen nehmen zu, während die fortschreitende Versiegelung den Lebensraum für Pflanzen und Tiere weiter einschränkt.
Um Städte langfristig lebenswert und widerstandsfähig zu gestalten, müssen Klimaanpassung und Biodiversität gemeinsam gedacht werden. Einen wichtigen Beitrag leisten dabei gebäudenahe Grünstrukturen und Fassadenbegrünungen. Sie verbessern durch natürliche Verdunstungsprozesse und Evapotranspiration das Mikroklima und die Luftqualität, beeinflussen den lokalen Wasserhaushalt positiv und erhöhen die Luftfeuchtigkeit in bodennahen Bereichen. Zugleich verschatten sie Gebäudeoberflächen und tragen dazu bei, städtische Hitzeinseln sowie die Überhitzung von Innenräumen zu reduzieren.
Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt München im Rahmen des „Grundsatzbeschlusses zur klimaneutralen Stadtverwaltung 2030“ und der Zielsetzung der Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet, bei städtischen Neubauten und Sanierungen neben begrünten Dächern auch mindestens 30 % der Fassaden zu begrünen – sofern dies technisch und denkmalrechtlich möglich ist.
Ziel der Studie ist es, die Potenziale von Fassadenbegrünungen und gebäudenahen Grünstrukturen exemplarisch an sechs ausgewählten Schulgebäuden, Sportbetriebsstätten und Kindertagesstätten zu untersuchen. Auf dieser Grundlage werden anhand eines Leitfadens Wege aufgezeigt, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse auf den gesamten Bestand städtischer Bildungseinrichtungen und vergleichbare Gebäudetypen übertragen lassen. Insgesamt betrifft dies rund 400 Schul- und Sportanlagen sowie etwa 450 Kindertagesstätten mit über 1.000 Gebäuden. Aufgrund komplexer Fassadenstrukturen, hoher Fensteranteile sowie brandschutz- und denkmalschutzrechtlicher Anforderungen sind hierfür detaillierte, standortspezifische Untersuchungen erforderlich.
Parallel wurde ein Leitfaden für neun unterschiedlichen Neubauprojekte inklusive deren Planungsprozess anhand von Steckbriefen aufgesetzt und die Vorhaben in einem iterativen Prozess gemeinsam mit den Planungsteams evaluiert.